Nervennahrung

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Kooperation Radiologie Goethe Universität

21 Feb 2019

Die Informatik des Fb2 der FRA-UAS hat eine Kooperation mit der Radiologie des Universitätsklinikums Frankfurt der Goethe Universität gestartet. In der Radiologie kommen bildgebende Verfahren wie u.a CT und MRT zum Einsatz, bei denen genuin digitale Daten anfallen. Die Vorbereitung von Untersuchungen und die (Weiter-) Verarbeitung erfolgt jedoch in der Regel manuell und wenig oder gar nicht digital unterstützt. Zur Verbesserung der Effizienz und zur Erhöhung der Qualität bieten sich daher IT-Verfahren in diesem Zusammenhang an. In Kooperation mit Prof. Dr. med. Boris Bodelle vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie haben wir mehrere Bachelor- und Masterarbeiten (Thema 1, Thema 2 und Thema 3) definiert, die in diesem Kontext den Einsatz von IT-Technologien im Rahmen von Prototypen untersuchen sollen. Diese Arbeiten werden entweder von mir oder Kollegen betreut – je nach Thema, Schwerpunkt und persönlichen Vorlieben – ich übernehme jedoch die Koordination. Sie können sich bei Interesse daher an mich wenden. Weitere Arbeiten sind in Planung.

Learning From Data

11 Oct 2018

This winter semester I will give the course learning from data based partially on the excellent book with the same name by Yaser S. Abu-Mostafa, Malik Magdon-Ismail, Hsuan-Tien Lin. In addition to material from the book, I will cover SVMs and Neural Networks (incl. deep convolution networks), a critical review of machine learning from a science philosophy point of view, and some short remarks on the impact of this technology on society. It is a tremendous joy to prepare this lecture and I am looking forward to start! The actual start will be on October 24th as announced on moodle, because I will attend the Wimob 2018 conference next week.

DSGVO

03 Jun 2018

Seit ein paar Tagen ist - nach einer zwei jährigen Übergangsfrist - die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft. Sie soll innerhalb der EU den Datenschutz vereinheitlichen und den Bürgern mehr Schutz bieten. Ich hatte im Vorfeld anläßlich einer Wartezeit von 1.5hr am Flughafen mir die Frist gesetzt, in 90 Minuten herauszufinden, was ich tun muss, um diesen Blog DSGVO-konform zu betreiben. Das hat sich als wesentlich schwieriger herausgestellt, als ich dachte. Z.B. ist es mir völlig unklar, ob - und ggf. wie - das Kommentarsystem Disqus, das ich bisher verwendet habe, damit Sie Kommentare (auch anonym!) hinterlassen können, mit der DSGVO in Einklang zu bringen ist. Daher habe ich es abgeschaltet - jetzt kann man eben nicht mehr kommentieren.

Wie ein Kleinunternehmer, eine Zahnärztin oder der Vorstand eines Vereins DSGVO-Konformität regeln sollen, ist mir schleierhaft. Viele Rechtsfragen sind ungeklärt. Ob man z.B. überhaupt noch Digitalphotos von Personen aufnehmen kann, ist bis dato völlig unklar. Schuld daran ist keineswegs schlechtes Handwerk der verantwortlichen Politiker, denn sie wußten, was sie tun. So haben sie Ausnahmen für kommerziell tätige Photographen in die Verordnung geschrieben. Hier offenbart sich m.E. ein mangelhaftes Demokratieverständnis unserer gewählten Vertreter. So steht der digital mündige und politisch aktive Bürger nicht weit oben auf der Prioritätenliste in Brüssel, die Lobbyisten der Konzerne dagegen geben sich die Klinke in die Hand. Wenn Sie sich ein Bild machen wollen, auf welchem intellektuellen Niveau derart wichtige Entscheidungen getroffen werden, so lesen Sie in der Zeit ein Interview mit der EU-Kommissarin Věra Jourová, die maßgeblich an der DSGVO mitgearbeitet hat. U.a. behauptet sie dort ernsthaft: “Ich kenne mich auch nicht mit Technik aus, meine Kinder lachen mich deswegen sogar aus. Ich versichere Ihnen aber, dass selbst ich die Regeln der DSGVO umsetzen kann.” Nun, ich versichere Ihnen, dass jemand, der sich mit Technik nicht auskennt, sicher nicht entscheiden kann, welches Wordpress-Plugin gegen die DSGVO verstößt, geschweige denn, dass er es deaktivieren kann.

Aber gegen die großen Datenkraken hilft die DSGVO doch bestimmt? Nun, Facebook und Co haben genug Anwälte, die das regeln und man klickt jetzt halt auf jeder kommerziellen Seite die Cookie-Zustimmung weg, so dass die Werbeindustrie uns wie gewohnt tracken kann. (Falls die Cookie-Zustimmungsorgien zu nervig sind, macht man es einfach so, ohne explizite Zustimmung, denn hier hilft das “berechtigte Interesse” weiter, das die DSGVo vorsieht und das die Online-Werber fraglos haben.) Und Facebook genehmigt sich noch dreist die Zustimmung zur Gesichtserkennung unter dem Deckmäntelchen der DSGVO.

Meines Erachtens ist die DSGVO trotz einiger guter Ansätze gescheitert und ein untauglicher Versuch, für mehr Datenschutz zu sorgen. In der Praxis stellt sie sich als bürokratisches, mittelstandsfeindliches Monstrum heraus, das gegenüber den Datenkraken des Internets weitgehend zahnlos ist. So sieht es auch die FAZ, Sascha Lobo im Spiegel und viele andere. In der Zeit finden Sie Tipps, wie Sie Ihre Seite DSGVO-konform machen. Viel Spaß! Ein besonderer Vorwurf ist dem deutschen Gesetzgeber zu machen, der die DSGVO nicht in deutsches Recht umgesetzt - und so ggf. hätte anpassen und konkretisieren können - sondern die Richtlinie einfach so stehen lässt. Und nur in Deutschland existiert das unsägliche Abmahnwesen, das - insbesondere für Privatleute und Kleinunternehmer - das ganze so brisant macht. Auch dieses hätte per Gesetz entschärft werden können. Aber dahinter steht ja eine andere Lobby…

Blockchain

25 Apr 2018

Schöner Artikel in der NZZ über Blockchain. Der Artikel ist weniger aus Informatikerperspektive geschrieben, sondern beschreibt das ökonomische und gesellschaftliche Potential, das in dieser Technologie liegt. Aber Informatiker, die sich für derartige Technologien interessieren, sollten auch die gesellschaftlichen Implikationen verstehen.

Sprechverbote II

22 Apr 2018

Ich hatte mich vor einiger Zeit über die zunehmende Tendenz zu Rede- und Sprechverboten - gerade auch an Universitäten - besorgt geäußert und kritisiert. Daher habe ich mich über das Interview unseres Präsidenten, Herrn Prof. Dr. Dievernich, in der FAZ vom letzten Wochenende sehr gefreut: “‘Eine Hochschule darf eine Veranstaltung nicht absagen, weil diese gegen den ‘guten Ton’ verstößt’, mahnt der Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences und Sprecher der hessischen Hochschulen für angewandte Wissenschaften. ‘Der wahre gute Ton ist der Ton des Diskurses.’” Dem ist nichts hinzuzufügen.

MasterProject

27 Mar 2018

This summer semester, I will conduct a (research) project called “Channel State Information for In-Door Localization and other Use Cases”, see description.

Mint Gap - Frauenquote in den MINT-Berufen

22 Feb 2018

Auf heise ist vor einigen Tagen über eine interessante Studie berichtet worden, in der der Global Gender Gap Index (der die Gleichstellung der Geschlechter in einer Zahl ausdrückt) und der Geschlechterverteilung bei den MINT-Abschlüssen untersucht wurde. Die These, dass eine zunehmende Gleichstellung der Frauen in einem Land auch zu einem größeren Frauenanteil in den MINT-Fächern führt, wurde nicht bestätigt. Als “Paradoxon* kann man das m.E. aber nur bezeichnen, wenn man eine ideologisch gefärbte rosa Brille trägt anstatt unvoreingenommen die Realität zu betrachten. Für Praktiker ist das schon lange offensichtlich, dass in Gesellschaften, die durch weniger (Wahl-) Freiheit bei den Geschlechtern geprägt sind und eher patriarchale Strukturen aufweisen, mehr und nicht weniger Frauen Mint-Berufe ergreifen als in feministisch/egalitären Gesellschaften. Über die Gründe, warum das so ist, darf und kann spekuliert werden (s.a. den Artikel). Spoiler: Es könnte mit individuellen Präferenzen zu tun haben. Thematisieren sollte man das aber besser nur, wenn man z.B. als Lebenszeitbeamter de-facto unkündbar ist. Andernfalls kann es einem so ergehen wie James Damore.

BlockchainDystopia

22 Feb 2018

Sascha Lobo hat einen sehr schönen Artikel über das Dystopie Potential, das in Kryptowährungen und den unterliegenden Technologien steckt, geschrieben. Er erinnert daran, dass das Internet auch mal mit anarchistisch/libertären Freiheitsversprechen gestart ist – “Vor ein paar Tagen starb John Perry Barlow, der 1996 die berühmte ‘Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace’ verfasst hatte. Darin stand: ‘An die Regierungen der industriellen Welt. Der Cyberspace besteht aus Transaktionen, Beziehungen und Gedanken selbst. Eure rechtlichen Konzepte von Eigentum, Ausdrucksformen, Identität, Bewegung und Kontext gelten nicht für uns.’ und heute vorerst?! als Bettvorleger für Monopole von Google, Facebook, Amazon und co geendet ist. Bei den Kryptowährungen und -technologien droht ähnliches.

Sein Blick auf Rußland und China ist ebenfalls erhellend: “China ist längst, was das Silicon Valley in den Nullerjahren war. Aufgrund der Sprachbarriere bemerken das bloß viele nicht.” Es gibt dort konkrete Pläne, jede finanzielle Transaktion staatlich überwachen zu können. Auch bei uns und in der EU gibt es ja Bestrebungen, das Bargeld abzuschaffen. Blockchain und Co sind die Technologien dafür.

AI "Krise"

21 Feb 2018

ScienceMag berichtet über ein zunehmendes Problem in der AI-Forschung, nämlich dass Forschungsergebnisse nicht reproduziert werden können. Das läge vor allem an der Nicht-Veröffentlichung von Source-Code. (M.E. stellt die weitverbreitete Nicht-Verfügbarkeit von Daten, die einer Veröffentlichung zugrundeliegen, ein mindestens ebenso großes Problem dar). Wir bekommen damit in der Informatik ähnliche Probleme wie in den “weichen” Wissenschaften (u.a. Psychologie, Medizin, Sozialwissenschaften etc.). Dabei wäre die Lösung doch so einfach: Jedes! Paper muss elektronisch den Source-Code und die Daten mitveröffentlichen, sonst wird es nicht veröffentlicht. Erstaunlich, wie ein überkommenes Geschäftsmodell der Wissenschaftsverlage aus Zeiten, in denen Papier eine knappe Ressource war, dem Fortschritt im Wege steht.

Sprechverbote

30 Jan 2018

Über das illiberale Klima u.a. an der Goethe-Uni (aber auch an anderen Hochschulen), das sich zur Zeit breit macht, berichtet z.B der folgende Beitrag von 3Sat. Hochschulen sind Orte des Diskurses und des kultivierten Streits, nicht Orte mit Sprechverboten. Wenn wir das aufgeben, verlieren wir alles.

Update: Aus aktuellem Anlass läßt die Hochschulleitung der Goethe-Uni verlauten: “Im Sinne der Wissenschafts- und Meinungsfreiheit versteht sich die Goethe-Universität als Ort, an dem kontroverse Themen und polarisierende Positionen offen geäußert werden können.” und verbietet einen Kongress trotz starker Hetze des Asta, der Grünen, SPD und Linke nicht. Zu dieser Selbstverständlichkeit muß man gratulieren, denn leider ist das nicht mehr selbstverständlich! Die Frankfurter Rundschau, deren Verständnis als Presseorgan es offenbar zuläßt, im Vorfeld mehrfach extrem skandalisierend und einseitig im Stile eines Kampagnenjournalismus zu berichten, schreibt über die finale Entscheidung der Goethe-Universität, den Kongress zuzulassen, übrigens nichts. (Ich habe mit diesem Kongress und seinen Organisatoren nichts zu schaffen und mache mir auch niemandes Ansichten zu eigen, aber ich teile die Ansicht der Goethe-Universität, daß Wissenschafts- und Meinungsfreiheit unbedingt geschützt werden müssen und daß man mißliebige Meineungen auch mal aushalten muß.)

Das sind die aktuellen Beiträge; alte Beiträge gibt es im Archiv.